Prolog
Was diese Seite ist — und warum
„AKTE EFFZEH" richtet sich an Lover und Hater des FC. Geschichte wird Legende, Legende wird Mythos. Und aus Mythos wird Kult. Oder Grund zum „ewigen" Fremdschämen — je nach Ereignis mal so oder eher so.
Der Don ist tot — oder doch nicht? Und wo sind eigentlich die Häßler-Millionen? Der 1. FC Köln ist der Verein der ewigen Hoffnung und der ewigen Enttäuschung. Dreimal Deutscher Meister, aber auch Fahrstuhlmannschaft par excellence. Hennes der Geißbock ist Kult, die Südkurve singt „Mir stonn zo dir, FC Kölle" — und am Ende steigt man doch wieder ab. Kölsche Lebensart trifft auf sportliches Drama.
Aber diese Seite geht über das reine Feiern oder Hassen hinaus. Akte Effzeh ist in drei Teilen aufgebaut: Das Club-Dossier erzählt die Geschichte — Triumphe, Tragödien, Skandale, Helden und Versager in 12 Kapiteln. Die Match Intelligence liefert die laufenden Daten, die ein Profi braucht: Kader, Statistiken, Head-to-Head, Verletzungen, Form. Und die Predictions bringen alles zusammen — mit Prediction Markets.
Prediction Markets sind kein Wetten. Bei klassischen Sportwetten verliert die Masse — das Geld geht an den Buchmacher, der seine Marge eingebaut hat. Bei Wettbörsen ist es ähnlich: Provisionen auf Gewinne, Liquiditätsengpässe und Spread fressen die Rendite. Prediction Markets funktionieren fundamental anders. Es gibt keinen Buchmacher, der das Haus gewinnen lässt. Stattdessen fließt Geld von denen, die nicht wissen, zu denen, die es richtig machen — mit Risiko-Management, Portfolio-Diversifikation und diszipliniertem Kapital-Einsatz. Man kann 24/7 handeln, Positionen aufbauen und abbauen, und wartet auf die binäre Auflösung des Events. Wer es versteht, betreibt keine Spekulation, sondern systematisches Trading.
Akte Effzeh ist Teil von Akte Bundesliga — dem gleichen Konzept für alle 18 Bundesliga-Vereine. Jeder Verein bekommt sein eigenes Dossier, seine eigene Intelligence, seine eigenen Predictions. Das große Ganze findest du unter aktebundesliga.net.
Steckbrief
Daten, Fakten und Ereignisse
Steckbrief – Daten, Fakten und Ereignisse
Der 1. FC Köln (vollständiger Name: 1. Fußball-Club Köln 01/07 e. V.) wird am 13. Februar 1948 durch den Zusammenschluss der beiden Fußballvereine Kölner BC 01 und Spvgg. Sülz 07 gegründet.
Der „Effzeh" ist mit mehr als 110.000 Mitgliedern (Stand: Dezember 2019) der größte Sportverein in Köln und der sechstgrößte in Deutschland. Das Gründungsmitglied der Bundesliga ist 1963/64 in der Premieren-Saison der erste Deutsche Meister der neuen Bundesliga-Ära und hält sich bis 1998 35 Jahre lang ununterbrochen in der höchsten deutschen Spielklasse.
Seit dem 6. März 2002 ist der Profifußballbereich (Erste Mannschaft, U21, U19 und U17) in die 1. FC Köln GmbH & Co. KGaA ausgegliedert. Der eingetragene Verein hält 100 Prozent des Stammkapitals (2,5 Mio. Euro) an der KGaA und ist Alleingesellschafter der zur Geschäftsführung berechtigten und voll haftenden Komplementärin, der 1. FC Köln Verwaltungs- GmbH.
Der 1. FC Köln belegt den achten Platz in der Ewigen Tabelle der Bundesliga (Stand: Dezember 2019) und den dritten Platz in der Ewigen Tabelle der Oberliga West, der höchsten Spielklasse für westdeutsche Vereine vor Einführung der Bundesliga.

Heimstadion des 1. FC Köln ist das RheinEnergie-Stadion im Stadtteil Müngersdorf, das 50.000 Zuschauern Platz bietet und ab Dezember 2001 vor der Fußball-WM 2006 in Deutschland komplett umgebaut wird.
Good to Know
Was wenige wissen
Der 1. FC Köln hat in den fünf Jahrzehnten seiner Bundesliga-Zugehörigkeit immer wieder durch Machtspiele im Präsidium Schlagzeilen gemacht. Kölscher Klüngel, Intrigen und Machtspiele „at their best" prägen den Verein. Eine Art fußballerisches Westeros mit Game of Thrones-Attitüde gehört zur Klub-DNA.
Dabei kann sich kein anderer Präsident länger im Amt halten als der „Boss" - Franz Kremer. Er führt den Verein 20 Jahre lang von 1948 bis zu seinem plötzlichen Tod 1967 – die bis heute erfolgreichste Phase der Klubgeschichte. Das ist in Kölner Fankreisen und in Fußball-Deutschland hinlänglich bekannt. Weniger bekannt ist, dass Kremer (Zitat: „Wollen Sie mit mir deutscher Meister werden?") unfreiwillig zum Aufstieg des größten rheinischen Rivalen, Borussia Mönchengladbach beiträgt. Ganz maßgeblich sogar.Denn neben Kremer gibt es nach der Gründung des FC ein weiteres Alpha-Männchen im Verein, welches sich Kremer nur höchst ungern unterordnen will.Es ist Hennes Weisweiler. Der in Lechenich geborene Weisweiler spielt bereits in den späten Dreißigerjahren für den Vorgänger-Klub KBC. Nach dem Zweiten Weltkrieg betreut er den VfB Lechenich, als ihn Franz Kremer nach Köln zurückholt. Als Trainer etabliert Weisweiler den 1. FC Köln mit zwei fünften Rängen in den Jahren 1950 beziehungsweise 1952 und einem vierten Platz 1951 als Spitzenteam der Oberliga West. Die Qualifikation zur deutschen Meisterschaft misslingt allerdings. Zum ersten Mal untreu wird Weisweiler dem „Effzeh" in den Jahren 1952-55. Er trainiert den Rheydter SV und wird für ein Jahr Co-Trainer von Sepp Herberger. Kremer holt Weisweiler im Jahr 1955 zurück. Dieser will auf junge Spieler aus der Region setzen und seine Art von Fußball spielen lassen. Er verzichtet trotz zahlungskräftiger Unterstützer des Vereins, insbesondere des in Köln ansässigen Kaufhof-Konzerns, und eines anhaltend hohen Zuschauerzuspruchs auf kostspielige Neuverpflichtungen und zofft sich mit etablierten Spielern, die nicht in sein Konzept passen. Insbesondere mit dem damals 34-jährigen Starspieler Tschick Čajkovski, dessen Defensivverhalten Weisweiler ein Dorn im Auge ist ("Tschik, decken! Arschloch!").
Zudem will sich der Boss, Franz Kremer, regelmäßig einmischen. Selbstherrlich und überzeugt von der eigenen Unfehlbarkeit, will er bei der Zusammenstellung und der Aufstellung der Mannschaft mitreden.Weisweiler kann sein Konzept nicht umsetzen und wechselt verärgert zunächst auf die rechte Rheinseite in Köln, zu Viktoria Köln. Als es ihm dort nicht gelingt, die Dominanz des Platzhirschen 1. FC Köln zu brechen, heuert er am 27. April 1964 beim damaligen Regionalligisten Borussia Mönchengladbach an. Der Rest ist bekannt. Am Niederrhein formt er in elf Jahren aus einem Regionalligateam eine europäische Spitzenmannschaft. Die Krönung: Die Meisterschaften 1969/70, 1970/71, 1974/75, der legendäre Pokalsieg am 23. Juni 1973 gegen den 1. FC Köln und der UEFA-Pokalsieg 1975.
Der letzte große Titel des 1. FC Köln gelingt in der Saison 1977/78. Unter Hennes Weisweiler holen die Domstädter das Double aus Meisterschaft und Pokal. Der 12:0 Sieg von Borussia Mönchengladbach gegen Borussia Dortmund hilft den Gladbachern unter Trainer Udo Lattek nichts mehr. Diese Geschichte kennt jeder FC-Fan.Was wenige wissen: Ohne eine der größten Niederlagen von Hennes Weisweiler wäre es nie zum Triumph der Kölner gegen Mönchengladbach gekommen.Denn Weisweiler zieht es nach seinen Erfolgen am Niederrhein zum FC Barcelona. Barça lockt den deutschen Startrainer mit einem Monatsgehalt von umgerechnet 40.000 DM ans Mittelmeer. Weisweiler will seinen Spielstil mit den holländischen Superstars Johan Cruyff und Johan Neeskens umsetzen. Doch von Beginn an kriselt es zwischen Don Hennes und König Johan. „Weisweiler ist nicht der Trainer meiner Wahl", verkündet der niederländische Spielmacher offen gegenüber der Presse. Als Cruyff am 8. Februar 1976 in Sevilla das zweite Gegentor verschuldet, holt ihn Weisweiler vom Platz. Cruyff ist sauer, die Fans sind es auch. Die Barca-Vereinsführung um Präsident Agostin Montal beendet den Konflikt dadurch, dass sie den Vertrag mit Cruyff verlängert und Weisweilers darauffolgende Bitte um vorzeitige Auflösung des Zweijahresvertrages akzeptiert. Weisweiler heuert im Sommer 1976 beim 1. FC Köln an und demontiert – ganz nach Weisweiler-Schema – sofort die alternde FC-Ikone Wolfgang Overath. Mit Heinz Flohe als Dirigent schafft er in der Saison 1977/78 das Double.

Für die Hater
Peinliche Katastrophen und große Niederlagen
1:8 gegen Dundee: Im Europapokal ist ein 1:8 beim schottischen Vertreter FC Dundee im allerersten FC-Spiel im Landesmeister-Wettbewerb 1962/63 die peinlichste FC-Pleite. Zur Ehrenrettung: Torwart Fritz Ewert erleidet schon nach zwei Minuten eine Gehirnerschütterung, bleibt zur Pause (0:5) in der Kabine und Verteidiger Toni Regh geht ins Tor. In Unterzahl setzt es weitere drei Gegentreffer.
Die höchste Bundesliga-Niederlage: 0:7 geht der 1. FC Köln am 15. Mai 1971 beim FC Bayern München im Stadion an der Grünwalder Straße unter. Ein Eigentor von Karl-Heinz Thielen leitet das Rekord-Debakel ein. Das Spiel zählt zu den Partien, die im Rahmen des Bundesligaskandals in den Fokus der Ermittler geraten, bewiesen werden kann jedoch nichts. Angeblich hat Köln extra verloren, damit sein Pokalfinalgegner Bayern Meister wird. So wäre man auf alle Fälle international dabei gewesen. Bayern wird aber nicht Meister...Übrigens: Mit 0:8 verliert der Klub 2003 im DFB-Pokal – und zwar erneut gegen den FC Bayern München.
Die peinlichste Wende gegen den 1. FC Köln: Im Bundesliga-Spiel gegen den SC Freiburg reicht den Kölnern am 10. Dezember 2017 bei Schnee und Eis – die Partie steht auf der Schneeschippe – eine 3:0-Führung nicht aus. Nach 1:3 zur Pause drehen die Freiburger die Partie durch zwei Tore von Nils Petersen ab der 90. Minute (!) noch um und lösen heftige Tumulte im RheinEnergie-Stadion aus. Die FC-Ultras gehen auf die Barrikaden.
Der Nullingerrekord: Das hat nicht mal die größte Bundesligalachnummer Tasmania Berlin hinbekommen. In der Spielzeit 2001/02 bleibt der FC zehn Spiele (!) und 1033 Minuten ohne Tor, ehe Verteidiger Thomas Cichon im Heimspiel gegen Hertha BSC am 3. März 2002 die weiterhin längste Durststrecke eines Bundesligisten (Stand: Dezember 2019) beendet. Überflüssig zu erwähnen, dass am Saisonende der Abstieg steht.
Untergang im UEFA-Cup-Finale: Achtmal steht der 1. FC Köln in einem europäischen Halbfinale, aber nur 1986 springt eine Finalteilnahme heraus. Diese wird zur Mega-Enttäuschung. In den UEFA-Cup-Finals müssen die Rheinländer im Hinspiel eine 1:5-Niederlage bei Real Madrid hinnehmen. Das ist im Rückspiel nicht mehr zu korrigieren. Nach Zuschauer-Ausschreitungen im Halbfinale im belgischen Waregem muss Köln das Rückspiel im Berliner Olympiastadion austragen. Die Stimmung bleibt unterm Hintern: Nur 16.185 Zuschauer verlieren sich im weiten Rund. Köln gewinnt zwar mit 2:0, doch das ist insgesamt zu wenig. „Das hat sich nicht wie ein Finale angefühlt", sagt FC-Stürmer Klaus Allofs anschließend dem Boulevardblatt „Express".

Schwarzer Rauch für den Absteiger: Selten hat sich ein Klub so würdelos aus der Bundesliga verabschiedet wie der 1. FC Köln am Ende der Saison 2011/12. Beim 1:4 im letzten Spiel gegen den FC Bayern muss Schiedsrichter Florian Meyer (Burgdorf) einige Sekunden früher abpfeifen – FC-Ultras haben das RheinEnergie-Stadion mit Rauchbomben in schwarze Wolken gehüllt. Schon zehn Minuten zuvor ist die Polizei vor der Kölner Südkurve aufmarschiert und verhindert Schlimmeres. Weil Hertha BSC gegen 1899 Hoffenheim gewinnt, rutschen die Kölner auf den direkten Abstiegsplatz. „Das ist ein schwarzer Tag für den 1. FC Köln. Das ist ein unglaublich unnötiger Abstieg", sagt Kölns Interimstrainer Frank Schaefer.
1:5 gegen Borussia Mönchengladbach: Die größte Derby-Pleite gegen Gladbach erlebt der 1. FC Köln am 14. November 1984. In einem Mittwochspiel lassen Hans-Georg „Schorsch" Dreßen, Frank Mill, zweimal Uwe Rahn und Hans-Günter Bruns die „Fohlen" mit ihren Toren beim 5:1 in Müngersdorf jubeln. An diesem Tag will für den FC nichts klappen. Stephan Engels und Klaus Allofs scheitern mit ihren Elfmetern binnen acht Minuten an Gladbachs Torhüter-Legende Uli Sude. Schon zur zur Pause steht es 0:4.
Bundesligabilanz gegen Mönchengladbach: Derbys zu verlieren, ist nie gut. Konstant Derbys gegen den „Erzfeind" zu verlieren, ist eine Katastrophe. Per Ende Dezember 2019 hat es in der Bundesliga 89 Spiele zwischen dem 1. FC Köln und Borussia Mönchengladbach gegeben. Die Bilanz: Siege für Gladbach - 49, Siege für Köln - 24, Unentschieden - 16, 115:175 Tore aus Kölner Sicht.
Die aus Sicht der Geißbock-Hater erfreulichste Saison liefert der Karnevalsverein 2017/18 ab. Von der Europa League geht es in die „2. League" – mit einigen FC-Rekorden, auf die man am Geißbockheim nicht wirklich stolz sein dürfte.
Für die Lover
Wichtige Triumphe und große Erfolge
DFB-Pokalsieger: Insgesamt holt der rheinische Traditionsklub viermal den DFB-Pokal: 1968, 1977, 1978, 1983.
Erster Bundesligameister: Der 1. FC Köln ist 1964 der erste Meister in der neu gegründeten Bundesliga.
70 Punkte: 70 Punkte aus der Meister-Saison 1977/78 (Auf Drei-Punkte-Regel umgerechnet) bedeuten die beste Ausbeute des 1. FC Köln in der Bundesliga. Den ersten von insgesamt drei Meistertiteln gewinnt der Verein 1962.
UEFA Cup: Auf internationaler Ebene steht der „Effzeh" insgesamt achtmal in einem europäischen Halbfinale, dabei zweimal im UEFA-Cup-Vorgängerwettbewerb,„dem Pokal der Messestädte". Größter Erfolg ist das UEFA-Cup-Finale 1986, in dem der FC mit 1:5 und 2:0 gegen Real Madrid letztlich chancenlos ist.
Der größte Erfolg gelingt dem 1. FC Köln in der Saison 1977/78 mit dem Gewinn des „Double" mit Deutscher Meisterschaft und DFB-Pokalsieg. Der Titel des FC ist auch der bisher knappste Deutsche Meistertitel. Die Bundesliga hat nie eine engere Entscheidung um die Meisterschale erlebt als am 29. April 1978. Zwischen Hamburg, wo der 1. FC Köln als Tabellenführer beim abgestiegenen FC St. Pauli im Volksparkstadion antritt und dem Düsseldorfer Rheinstadion, wo Verfolger Borussia Mönchengladbach den BVB aus Dortmund empfängt, spielt sich das größte Wettschießen der Liga-Historie ab. 12:0 schlagen die Gladbacher den Namensvetter aus Dortmund – doch Meister wird dank der um drei Treffer besseren Tordifferenz der FC. Die „Geißböcke" gewinnen 5:0 bei St. Pauli und sind über Radio immer über das bis Dezember 2019 noch stehende Bundesliga-Rekordergebnis aus Düsseldorf informiert. Bernd Cullmann, je zweimal Heinz Flohe und Yasuhiko Okudera schießen Köln im Regen von Hamburg zum zweiten Meistertitel in der Bundesliga. Beide rheinische Rivalen erzielen am Ende 86 Saisontore.

Sternstunde gegen Belgrad: Eine der furiosesten Aufholjagden seiner Europacup-Geschichte liefert der 1. FC Köln am 6. Dezember 1989. Nach 0:2 im Hinspiel im „Marakana" von Belgrad drehen die Kölner in Müngersdorf die Partie gegen Roter Stern um – 3:0 durch zwei Tore von Falko Götz und Frank Ordenewitz – und in der Kabine erklingt anschließend „Unser Herz schlägt für de FC Kölle"!
Bayer Meister? Nicht mit Kölle! 33. Spieltag der Saison 1996/97. Im rheinischen Duell mit Bayer Leverkusen hat der FC die Chance, am Ende einer mauen Saison (Rang 9) seine Fans milde zu stimmen. Das gelingt: Mit 4:0 schießt man die Bayer-Elf von Ex-FC-Coach Christoph Daum aus dem Müngersdorfer Stadion. Damit macht man ausgerechnet den kalt verachteten FC Bayern München, der zeitgleich gegen den VfB Stuttgart 4:2 gewinnt, vorzeitig zum Deutschen Meister, aber das ist an diesem Kölner Feiertag zweitrangig. Toni Polster trifft dreimal gegen Leverkusen. Auch 2011 zerschlägt Köln am 32. Spieltag mit einem 2:0-Heimsieg die allerdings relativ vagen Meister-Hoffnungen der Leverkusener – und beschert Jürgen Klopp mit Borussia Dortmund den ersten Meistertitel!
FC 10 – FK Pirmasens 0: Der höchste Sieg in einem Meisterschaftsspiel gelingt dem FC gegen den damaligen Südwest-Spitzenklub FK 03 Pirmasens. In der Endrunde um die Deutsche Meisterschaft 1962 – 10:0. Gegen„die Klub" trifft allein Karl-Heinz Thielen viermal, Weltmeister Hans Schäfer gelingen zwei Tore.
Europacup-Erfolg nach 25 Jahren: Auf diesen Moment hat ganz Köln ein Vierteljahrhundert gewartet – ein Sieg in einem Europacup-Spiel, das hat es zuvor im September 1992 mit 2:0 gegen Celtic Glasgow zum letzten Mal gegeben. Am 2. November 2017 endet diese Durststrecke. Mit 5:2 schlagen die Kölner den weißrussischen Serienmeister BATE Borissow und mit dem sensationellen 1:0 gegen den FC Arsenal London erzwingen sie am 23. November 2017 ein„Endspiel" in Belgrad um das Weiterkommen in Gruppe H der Europa-League-Vorrunde. Diesmal nimmt Roter Stern Belgrad allerdings Revanche – 1:0.
Most Important Persons
Diese Typen prägen den Verein
2017) – „De Knoll":Er ist der größte Spieler des 1. FC Köln der Vor-Bundesliga-Ära. Ein „Held von Bern" und der einzige Spieler aus der deutschen Weltmeister-Mannschaft von 1954, der noch in der Bundesliga Deutscher Meister wird. Am Ende der Saison 1963/64 nimmt Hans Schäfer als erster Kapitän in de…
Der „Rastelli":Er ist einer der brillantesten Mittelfeld-Regisseure seiner Zeit. Sein Konkurrenzkampf mit dem Gladbacher Günter Netzer gilt als legendär. Overath entscheidet ihn bei der Heim-WM 1974 für sich und spielt im Finale gegen Holland (2:1), Netzer nicht. Als FC-Spieler ist er eine absolute …
1983) – Der „Don":Kein anderer FC-Trainer ist so erfolgreich wie „Don" Hennes Weisweiler. Mit dem Pokalsieg 1977 und dem „Double" 1978 prägt „Don Hennes" die letzte wirklich erfolgreich Phase in der FC-Geschichte, in welcher der Verein deutsche und europäische Spitze ist. Die liebenswerte Werbung fü…
„Der Prinz":Ihm hätten die Fans in Köln wohl auch einen Wechsel nach Gladbach oder Leverkusen verziehen. Kein anderer Spieler erreicht beim FC nach 1993 und dem Abschied von Pierre Littbarski ("Litti") derart hohe Popularitätswerte wie Lukas Podolski. Der Junge aus Bergheim erobert mit flotten oder …
Der Dribbler:Pierre Littbarski wechselt im Sommer 1978 für 13.000 Deutsche Mark von Hertha Zehlendorf nach Köln. Er bricht seine Ausbildung zum Finanzbeamten ab und konkurriert unter Trainer Hennes Weisweiler mit Roger van Gool um den Platz als Rechtsaußen. Der sieht das Duell wenig locker und formu…
Ärger von Anfang an:Bernd Schuster wechselt im Jahr 1978 vom FC Augsburg zum 1. FC Köln. Da hat er eigentlich schon bei Borussia Mönchengladbach einen Vertrag unterschrieben. Nach 61 Bundesligaspielen und zehn Toren für Köln wechselt „der blonde Engel" im Sommer 1980 nach Spanien zum FC Barcelona. N…

Personae Non Gratae
Diese Typen sind unbeliebt
Der „Capitano":Aber in Köln eben „keiner von uns". Der Mittelfeldspieler gilt als Synonym des Aufschwungs von Bayer Leverkusen zwischen 1999 und 2002. Nach einem 2:0-Heimerfolg der Bayer-Elf gegen den FC Schalke 04 im März 2011 ist Ballack in Köln untendurch, als er sich auf dem Zaun der BayArena zu…
Nach Fürth verschenkt:Österreicher fühlen sich in der Domstadt eigentlich recht wohl, man denke an FC-Legende Toni Polster oder Trainer Peter Stöger. Auf einen Alpen-Profi trifft das jedoch nicht zu: Ralph Hasenhüttl. Dass der Grazer im Jahr 2000 mit dem FC die erste Rückkehr in die Bundesliga schaf…
Die Hand:Die Hand des Schalker Mittelfeldspielers ist aus Kölner Sicht bis heute schuld am ersten Abstieg der Vereinsgeschichte. Am 29. April 1998 haben die vom Abstieg bedrohten Domstädter beim Nachholspieltag die große Chance mit einem Punktgewinn etwas Luft zwischen sich und die Abstiegsplätze zu…

Tragisch
Diese Personen hatten Pech
Heinz Flohe – Der Dirigent:Heinz „Flocke" Flohe ist Mitglied des deutschen Weltmeister-Kaders des Jahres 1974. Flohe verstirbt unter tragischen Umständen im Jahr 2013 - als erster aus dem damaligen WM-Kader. Flohe absolviert zwischen 1966 und 1979 343 Bundesligaspiele für den 1. FC Köln und für 1860 München. Mit den „Geißböcken" gewinnt er 1978 die deutsche Fußballmeisterschaft sowie 1968, 1977 und 1978 den DFB-Pokal. Zwischen 1970 und 1978 bestreitet er 39 Länderspiele für die A-Nationalmannschaft, in denen er acht Tore erzielt. Er nimmt an den Weltmeisterschaften 1974 und 1978 teil. Bei seinen sieben WM-Einsätzen gelingen ihm zwei Tore. 1976 wird er Vize-Europameister. Am 1. Dezember 1979 erleidet Flohe durch ein Foul von Paul Steiner, damals beim MSV Duisburg, einen komplizierten Schien- und Wadenbeinbruch. Das Foul bedeutet das Ende seiner Karriere als Fußballprofi. Flohe erleidet Nervenschäden, an denen er sein ganzes Leben leiden wird. Er verklagt Steiner und scheitert mit seinen Schadenersatzforderungen, da Steiner keine Absicht nachgewiesen werden kann. Flohe wird 1992 erstmals am Herzen operiert und muss sich am 7. Januar 2004 wegen anhaltender Herzrhythmusstörungen erneut einer Operation unterziehen. Dabei wird ihm eine Herzklappe eingesetzt. Am 11. Mai 2010 bricht er nach einem Schwächeanfall zusammen. Er wird in ein künstliches Koma versetzt, aus dem er nicht mehr erwacht. Flohe verbleibt bis zu seinem Tod am 15. Juni 2013 im Wachkoma.
Gerhard Welz – Der verhinderte Weltmeister:Gerhard Welz ist auf dem besten Weg Ersatzmann von Sepp Maier bei der Fußball-Weltmeisterschaft 1974 zu werden. 1971 hat er Manfred Manglitz als Torwart Nummer 1 im Kasten der Kölner abgelöst, er bringt hervorragende Leistungen, da stoppt ihn eine schwere Verletzung. Am 2. März 1974 stößt er am 24 Spieltag der Bundesliga mit Peter Hidien vom Hamburger SV zusammen. Köln verliert das Heimspiel mit 1:2, Welz wird kurz bewusstlos. Kurze Zeit später erfolgt im Training ein weiterer Unfall. Welz knallt mit dem Kopf gegen den Torpfosten. Bei genauerer Untersuchung wird ein Blutgerinnsel festgestellt, eine Notoperation rettet ihm wohl das Leben. Aber die Karriere von Welz ist nachhaltig beschädigt. Bei der WM 1974 sind Wolfgang Kleff (Mönchengladbach) und Norbert Nigbur (Schalke) die Torhüter Nummer 3 und 2. Im Verein ist Welz hinter Harald Schumacher und Slobodan Topalović nur noch dritter Torhüter. Welz spielt noch bis 1987 Fußball. Doch weder bei Preussen Münster noch bei Tennis Borussia, dem VfB Stuttgart oder dem SV Sandhausen gelingen größere Erfolge.

OMG — Oh My God
Das kann doch nicht wahr sein
Filmreif: Ein „Boxer" namens Christoph Daum, „Der Don ist tot" und etwas Skandal-Bimbes für den Nationaltorhüter.
„Cassius", so tauft der Kölner Boulevard den frechen, unbekümmerten Trainer des FC, der Fußball-Deutschland 1989 aus dem Tiefschlaf reißt, den großen FC Bayern fordert, fürchterlich auf die Nuss bekommt – und in einem unvergessenen TV-Auftritt deutsche Fußball- und Fernsehgeschichte schreibt. Ein anderer Kölner tritt in den turbulenten 80-er Jahren mit einem damals hoch brisanten Buchprojekt eine Lawine los. Das sind einige Skandal- und Fremdschämgeschichten, die kennzeichnend für den 1. FC Köln sind.
Daum gegen Hoeneß – Das legendäre TV-Duell: Den ZDF-Zuschauern stockt am 20. Mai 1989 der Atem. Unmittelbar vor dem direkten Duell am 31. Spieltag der Saison 1988/89 treffen FC-Coach Christoph Daum, flankiert von Sportdirektor Udo Lattek und Bayern-Trainer Jupp Heynckes, der Begleitschutz von Manager Uli Hoeneß erhält, im „Aktuellen Sport-Studio" aufeinander. Es wird eine Sternstunde des deutschen Sportfernsehens, ein Giftpfeil-Regen, der bis heute unübertroffen ist. Moderator Bernd Heller holt Daum direkt ab. Die Frage, ob er das Flugticket zur Meisterschaftsfeier nach München schon gekauft hätte, beantwortet der Herausforderer schlagfertig: „Ja, für Uli Hoeneß, damit er nach Köln kommen kann." Der Bayern-Macher lächelt (noch) milde, doch dann legt er los. Eine ganze Mappe hat sich Hoeneß nach Mainz mitgenommen. Das Cleverle aus Ulm ist wie immer gut vorbereitet und konfrontiert Daum der Reihe nach wie in einem Verhör mit seinen Verbal-Spitzen gegen Heynckes ("Du hast über Jupp Heynckes gesagt: Der könnte auch Werbung für Schlaftabletten machen" – „Richtig"). Das Daum-Zitat „Nach dem Sieg in Mailand ging es ihm (Heynckes, d. Red.) mal für ein paar Stunden besser, da war eine Hirnwindung mehr durchblutet, im Grunde genommen ist er völlig kaputt" bringt Hoeneß auf die Palme. Der angegriffene Heynckes sieht die Bundesliga durch Daum „PR-mäßig angeheizt", schwört direkt Rache: „Wie er mich unterhalb der Gürtelline attackiert hat, das ist nicht zu akzeptieren und das werde ich auch nicht vergessen." Gejohle bricht im Studio aus, als Daum anmerkt, dass „die Bayern die Höhe der Gürtellinie beurteilen." Daum agiert wie ein Boxer. „Du versuchst alles", feuert er den nächsten Verbal-Haken an Hoeneß, „mich von meinem Weg abzubringen – aber ich kann dir versichern: Das schaffst auch du nicht." Die Zuschauer sind jetzt völlig euphorisiert und singen „Zieht den Bayern die Lederhosen aus." Hoeneß kontert trotzdem direkt: „Ich werde das auch gar nicht versuchen, denn am nächsten Donnerstag ist dein Weg zu Ende." Stimmt nicht ganz. Köln verliert zwar das mit viel Spannung erwartete direkte Duell gegen die Bayern und danach das Meisterrennen, aber Daum bleibt noch bis 1990 im Amt und kehrt 2006 für zweieinhalb Jahre auf die FC-Trainerbank zurück.
Der Bundesligaskandal: Gemeinhin werden mit dem Bundesligaskandal Schake 04, Hertha BSC, Kickers Offenbach und Arminia Bielefeld assoziiert. Doch auch der 1. FC Köln ist verstrickt. Durch seinen Nationaltorhüter Manfred Manglitz, der zweimal lebenslang gesperrt, nach zwei Jahren aber wieder begnadigt wird. Betroffen sind die folgenden Spiele:
5. Mai 1971 (Nachholspiel vom 24. Spieltag) 1. FC Köln – Rot-Weiss Essen 3:2. Offenbachs Präsident Horst-Gregorio Canellas († 1999) will Köln motivieren, Konkurrent Essen zu schlagen und fragt Manfred Manglitz vor dem Spiel am Telefon, wie viel er dafür bieten müsse. Manglitz fordert 25.000 DM, sonst würde er gegen Rot-Weiss Essen „einige Dinger durchlassen". Canellas zahlt, sein Vize Willi Konrad lässt sich die Summe sogar von Manglitz‘ Verlobter quittieren.

22. Mai 1971 (32. Spieltag) 1. FC Köln – Rot-Weiß Oberhausen 2:4. Wiederum ist Manglitz bestochen, diesmal von Oberhausens Präsident Peter Maaßen. 30.000 DM gibt es für die Kölner Mannschaft, diesmal soll Köln verlieren, was geschieht. Manglitz sieht nicht sonderlich gut aus bei den Gegentoren.
5. Juni 1971 (34. Spieltag): 1. FC Köln – Kickers Offenbach 4:2. Erneut fragt Canellas den Kölner Torwart Manglitz nach einem Gefallen. Wie viel er denn für einen Sieg seiner Kickers zahlen müsste. Manglitz fordert für sich und fünf seiner Mitspieler 100.000 DM, obwohl er selbst nicht mitspielen wird. Canellas geht nur zum Schein darauf ein und zahlt nicht. Köln gewinnt, Offenbach steigt ab und der betrogene Betrüger Canellas lässt die Bombe platzen, da er die Telefonate mitgeschnitten hat.
„Toni" und der Anpfiff: „Es ist immer das gleiche", mit diesem doch recht belanglosen Satz beginnt das vielleicht größte Skandal-Buch der deutschen Fußballgeschichte. 1987 bringt FC-Idol Harald „Toni" Schumacher mit „Anpfiff – Enthüllungen über den deutschen Fußball” (Verlag: Heyne) zwischen zwei Buchdeckel – und sich um seinen Job. Vergessen Sie Uli Steins „Halbzeit", Jimmy Hartwigs „Ich möcht‘ noch so viel tun” oder Stefan Effenbergs „Ich hab’s allen gezeigt” – die Mutter aller Fußball-Skandalbücher kommt aus der Feder des „Tünn". Sätze wie „Immel pokerte wie ein Süchtiger" oder Kapitel wie „Rummenigge: Allein gegen die Mafia", „Spritzen und Sex" und „Die Presse: Mit Feder und Dachlatte" begeistern bis heute eine ganze Fußball-Lesergeneration. Beim DFB – man kann es ahnen – ist man über so viel Enthüllungsjournalismus und Transparenz eher „not amused". DFB-Teamchef Franz „Franz" Beckenbauer suspendiert den Kölner Keeper auf Weisung des Präsidiums, was er später als „größten Fehler” bezeichnet. Das Länderspiel gegen Spanien (2:2) am 15. Oktober 1986 ist der letzte Auftritt des zweimaligen Vize-Weltmeisters im DFB-Trikot. Den schmerzt es mindestens genauso sehr, dass ihn auch sein FC vor die Tür setzt – und das ausgerechnet am Geburtstag.
Alles auf Anfang: Köln und die Trainer – Ein Kapitel für sich! Am 27. April 2019 beurlaubt der „Effzeh" den in Köln geborenen Coach Markus Anfang ("Mir muss keiner sagen, was der FC bedeutet"). Zuvor kann der Zweitligist vier Spiele in Folge nicht gewinnen – und trennt sich trotz des klaren Vorsprungs von sechs Punkten auf den Relegationsplatz von Anfang, den man erst zum Saisonstart aus Kiel geholt hat.
Fun Facts
Wissen für Blowhards, Braggadocios und Connaisseurs
Der FC als „Double"-Sieger von 1978 und „Karnevalsverein" – dazu muss man kein Fußball-Insider sein und man muss auch nicht aus Köln kommen.Doch es gibt genügend Fakten zum rheinischen Kultklub aus der Reihe „echt jetzt?"
Maskottchen „Hennes": Der Geißbock „Hennes" ist neben dem Frankfurter Adler „Attila" das per Dezember 2019 einzig lebende Maskottchen der Bundesliga. Ein Geschenk der Zirkuschefin Carola Williams zur Karnevalsfeier des Vereins im Jahr 1950 wird zum Maskottchen und späteren Wappentier des 1. FC Köln. Der Ziegenbock wird auf den Namen Hennes getauft, in Anlehnung an den damaligen Trainer Hennes Weisweiler.
Es müllert sechsmal: FC-Torjäger Dieter Müller ist am 17 August 1977 im Spiel gegen Werder Bremen (7:2) der erste und bis heute (Stand: Dezember 2019) einzige Spieler, dem in der Bundesliga sechs Treffer in einer Partie gelingen. Am Ende der Saison wird er wie schon im Vorjahr Torschützenkönig, muss sich den Titel aber mit seinem großen Namensvetter Gerd von den Bayern teilen. Vor ihm holt nur ein Kölner die Torjägerkanone, Johannes Löhr (1968), nach ihm nur Klaus Allofs (1985).
Erste Platzsperre: Der FC ist nicht nur der erste Meister der Bundesliga, er schafft in der Premierensaison 1963/64 auch unrühmliche Fakten. Nach Ausschreitungen im Heimspiel gegen Eintracht Frankfurt, als Schiedsrichter Lutz eine Fahnenstange „an den Kopf bekommt", muss er am 21. März 1964 gegen Eintracht Braunschweig nach Wuppertal ausweichen, bleibt aber auch im fremden Heim auf Meisterkurs (4:1).
Der Manager spielt selbst: Am 24. Februar 1973 sorgt der jecke Klub mal wieder für ein Novum. Wegen Personalnot muss Karl-Heinz Thielen, der seine Karriere eigentlich schon beendet hat und nun als FC-Manager seine Brötchen verdient, in Braunschweig noch mal für 23 Minuten ran. Kein Allheilmittel, auch er kann die 0:2-Niederlage nicht verhindern.

Emotional ist die Wahl von Werner Wolf im September 2019: Der neue FC-Präsident will nicht mehr mit Klublegende Harald „Toni" Schumacher zusammenarbeiten, man trennt sich. Der legendäre Keeper ist zuvor seit 2012 als Vize-Präsident verantwortlich für den sportlichen Bereich. In die Amtszeit des „Tünn" fallen die Bundesliga-Abstiege 2012 und 2018, aber auch die Rückkehr in den Europapokal 2017 – nach 25 Jahren Abstinenz.
Christoph Daum: Unter der Regie von Dietmar Artzinger-Bolten holt der FC 1986 den bis dahin völlig unbekannten Trainer Christoph Daum in die Bundesliga, er schenkt dem Assistenten von Georg Keßler sein Vertrauen. In die Amtszeit von Artzinger-Bolten fallen mit den Vize-Meisterschaften von 1989 und 1990 sowie dem DFB-Pokalfinale 1991 die bisher letzten großen Jahre des Vereins.
Albert Caspers: Albert Caspers geht 1998 als der FC-Boss in die Klub-Historie ein, der den ersten Abstieg verantworten muss. Nachdem der FC zunächst 35 Jahre ununterbrochen der Bundesliga angehört, schafft er in den darauffolgenden 21 Jahren sechs Abstiege und sechs Aufstiege.
Der erste Millionen-Transfer: Mit dem Belgier Roger van Gool vom FC Brügge tätigt der FC 1976 den ersten Wechsel in die Bundesliga, der eine Million Mark kostet. Der Rechtsaußen zahlt mit 28 Toren in 96 BL-Spielen zurück und hat seinen Anteil an den großen Erfolgen zwischen 1976 und 1979. 1980 wechselt van Gool zu Coventry City.
Special Moments
Tod eines Torjägers
Sonntag, 17. November 1991. Auf dem Trainingsgelände des 1. FC Köln bittet Coach Jörg Berger nach der 0:3-Klatsche beim FC Schalke 04 seine Spieler nur zum lockeren Auslaufen. Es gilt, den Kopf irgendwie frei zu kriegen. Das gelingt nicht. Unvermutet taucht ein Polizeibeamter auf. Seine Frage, ob der Spieler Maurice Banach (24) heute zum Training erschienen sei, muss Berger verneinen. „Er ist wahrscheinlich tödlich verunglückt", erklärt der Beamte dem erschrockenen Coach. Banach ist nach Angaben der Polizei auf der Autobahn A1 zwischen Wuppertal und Köln bei Remscheid von der Fahrbahn abgekommen und mit seinem dunklen Opel Omega an einen Brückenpfeiler geprallt. Der FC-Angreifer ist sofort tot, das Fahrzeug brennt komplett aus, den Rettungskräften bietet sich ein Bild des Grauens. Berger ist geschockt, geht erst mal 20 Minuten in die Kabine, um sich zu sammeln. Erst dann informiert er die Mannschaft über den Tod des Torjägers. „Wenn man eine solche Nachricht erhält, erkennt man schnell die Dimension des Sports", sagt ein trauernder Weltmeister Pierre Littbarski später.
Maurice Banach – sein Tod erschüttert nicht nur Köln, er berührt ganz Fußball-Deutschland. Dass die Kölner nach diesem Schock nicht gegen Dynamo Dresden spielen können und absagen, ist in diesen tristen Herbsttagen 1991 selbstverständlich. Beim Länderspiel Belgien – Deutschland (0:1) wenige Tage später gibt es eine Schweigeminute für Banach. Mit Maurice Banach hat der deutsche Fußball einen seiner Hoffnungsträger verloren. Einen Spieler, der auf dem Sprung in die Nationalmannschaft ist, dem alle Türen offen zu stehen scheinen. Schon Jahre zuvor hat der damalige U21-Nationalcoach und spätere Bundestrainer Berti Vogts das Talent des Straßenfußballers aus Münster erkannt. „Ich habe sofort gespürt, der ist etwas Besonderes", sagt Vogts 2006, zum 25. Todestag von Maurice Banach, dem Nachrichtenmagazin DER SPIEGEL, „er war ehrgeizig, aber auf dem Spielfeld nie verkrampft. Mit seiner positiven Art hat er viele angesteckt." Sein damaliger Mitspieler Falko Götz kann das nur bestätigen: „Er war bei allen sehr beliebt und wurde schnell zum Stimmungsmacher."
Und zur Tor-Maschine. Vom Zweitliga-Aufsteiger SG Wattenscheid 09 im Sommer 1990 in die Domstadt geholt, schlägt „Mucki", wie sie den 1,88 m großen Sturm-Hünen schon in seiner Zeit in Münster nennen, in Köln voll ein. „Unser Hoffnungsträger", erinnert sich Jörg Berger später, „war nicht Pierre Littbarski oder Horst Heldt, es war Mucki Banach." Der Mann, der Wattenscheid mit 22 Treffern in die Bundesliga schießt und Torschützenkönig der 2. Liga wird, ist zurück in der deutschen -Eliteliga. Von 1986 bis 1988 kommt der bei Borussia Dortmund zum Profi aufgebaute Stürmer mit nur zwei Toren in 14 BL-Spielen nicht an den Platzhirschen Norbert Dickel und Frank Mill vorbei. Sein zweiter Anlauf in der Bundesliga scheint zu glücken. In seiner ersten Saison für den FC erzielt Banach 1990/91 in 31 Spielen 13 Tore und legt vier Treffer vor. Seine sportliche Qualität, sein wuchtig-elegantes Strafraumspiel, darin sind sich in Köln viele einig, steht dem der beiden FC-Rekordtorschützen Hannes Löhr und Dieter Müller nicht nach. Sportdirektor Udo Lattek, ohnehin ein Fuchs, verlängert wohl auch deshalb Banachs Vertrag in Köln vorzeitig. Ein Wechsel innerhalb der Bundesliga oder gar ins in den Achtziger- und frühen Neunzigerjahren angesagte Fußballer-Paradies Italien hätte den Kölnern wahrscheinlich eine Rekordsumme beschert. Vielleicht hätte eine Ablöse für Banach den Betrag, den Köln für den damaligen Rekord-Abgänger Thomas Häßler erhalten hat – „Icke" zieht es 1990 für umgerechnet 7,8 Mio. Euro zu Juventus Turin zieht – übertroffen.
Bis zu seinem Unfalltod, der nie vollständig geklärt wird, kommt Banach in 18 Liga-Einsätzen in der Mammut-Saison 1991/92 auf zehn Treffer. Es gibt nicht wenige Beobachter des 1. FC Köln, die bis heute der Meinung sind, dass mit Maurice Banach ein dauerhafter Platz unter den Top 5, vielleicht sogar die dritte Deutsche Meisterschaft nach 1964 und 1978 drin gewesen wären. Sein Tod macht diesen Hoffnungen, 1989 und 1990 haben die Kölner als „Vize" die Meisterschaft verpasst, ein jähes Ende. So bleibt die nach dem Banach-Schock mit Platz 5 und als UEFA-Cup-Teilnehmer abgeschlossene Saison 1991/92 die auf lange Sicht beste Spielzeit für den FC im „Oberhaus". Erst 25 Jahre später wird man wieder einen UEFA-Cup-Platz feiern dürfen.
Dass die beiden Tore zum 4:1-Erfolg gegen Fortuna Düsseldorf am 9. November 1991 die letzten im Leben des Maurice Banach werden sollen, weiß zu diesem Zeitpunkt in Müngersdorf niemand. Eine Woche später bleibt Banach im Anschluss an das Auswärtsspiel beim FC Schalke 04 in seiner Heimatstadt Münster. Ein Aufenthalt, der später Raum für Spekulationen lässt. Dass er nach dem Besuch einer Karnevalsveranstaltung allerdings alkoholisiert ans Steuer gegangen sein soll, erweist sich als falsch. Dennoch bleiben viele Fragen offen. Man kann fast sagen: Banachs Tod bleibt ein Rätsel. Die Frage „Warum?" wird nie beantwortet werden können. Die Fahrbahn ist trocken an diesem Novembermorgen, die Sicht frei. Die Polizei kann ein Fremdverschulden ausschließen. Unfallzeugen sprechen von überhöhter Geschwindigkeit.
Gerade deshalb tragen diese Details dazu bei, dass Banach in Köln zum Mythos, zum ewigen Publikumsliebling wird. Auch mehr als 25 Jahre nach seinem Tod ist Maurice Banach, der es als Sohn eines afro-amerikanischen US-Soldaten und einer deutschen Mutter im erzkatholischen Münster sicher nie leicht gehabt hat, in der Domstadt unvergessen. Videos mit seinen spektakulärsten Toren machen in den FC-Foren bis heute immer wieder die Runde, Plakate erinnern am 25. Todestag an den viel zu früh verstorbenen Stürmer. Man kann nur erahnen, welchen viralen Shitstorm der Schreihals ernten würde, der eine Woche später in 1. FC Kaiserslautern vor dem Spiel gegen den FC Schalke 04 im Fritz-Walter-Stadion die ligaweit abgehaltene Gedenkminute für Banach stört.
Während das Leben in der Bundesliga weitergeht, spielt der FC erst 14 Tage nach der Tragödie wieder Fußball. Kerzen in der FC-Kurve und zahlreiche Transparente wie „Nur wer vergessen ist, ist tot. Wir werden dich, Mucki, NIE vergessen" sind im Müngersdorfer Stadion zu sehen. Beim 1:0-Pflichtsieg gegen den VfL Bochum verbietet sich jeder Torjubel. Kölle steht zusammen, „Echte Fründe stonn zesamme", es ist eben mehr als nur ein Lippenbekenntnis in einem Kölsch-Song von der Band „De Höhner", es ist ein Stück DNA des 1. FC Köln. Einmal Kölsche Jung, immer Kölsche Jung.

Weise Worte
Zitate für die Ewigkeit
„Im Kölner Stadion ist immer so eine Super-Stimmung. Da stört eigentlich nur die Mannschaft“. Udo Lattek
„Am besten ist, Flugzeug stürzt ab."
Trainer Tschik Cajkovski vor dem Rückflug nach dem 1:8 bei Dundee United am 5. 9. 1962„Ein Denkmal will ich nicht sein, darauf scheißen ja nur die Tauben."
Anton „Toni" Polster vom 1. FC Köln auf die Frage, ob er in Köln schon ein Denkmal sei„Dieser Stolperkönig ist die Höchststrafe für jeden Mitspieler."
Bernd Schuster als Trainer vom 1. FC Köln über seinen Spieler Holger Gaißmayer„Erstes Ziel ist es, die größten Flaschen zu verkaufen. Gibt es noch Pfand dafür, super. Gibt es nichts, auch gut."
Karl-Heinz Thielen als Vizepräsident vom 1. FC Köln