Kapitel 02

Good to Know

Was wenige wissen
3 Min. LesezeitAktualisiert: März 2026
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Der 1. FC Köln hat in den fünf Jahrzehnten seiner Bundesliga-Zugehörigkeit immer wieder durch Machtspiele im Präsidium Schlagzeilen gemacht. Kölscher Klüngel, Intrigen und Machtspiele „at their best" prägen den Verein. Eine Art fußballerisches Westeros mit Game of Thrones-Attitüde gehört zur Klub-DNA.

Dabei kann sich kein anderer Präsident länger im Amt halten als der „Boss" - Franz Kremer. Er führt den Verein 20 Jahre lang von 1948 bis zu seinem plötzlichen Tod 1967 – die bis heute erfolgreichste Phase der Klubgeschichte. Das ist in Kölner Fankreisen und in Fußball-Deutschland hinlänglich bekannt. Weniger bekannt ist, dass Kremer (Zitat: „Wollen Sie mit mir deutscher Meister werden?") unfreiwillig zum Aufstieg des größten rheinischen Rivalen, Borussia Mönchengladbach beiträgt. Ganz maßgeblich sogar.Denn neben Kremer gibt es nach der Gründung des FC ein weiteres Alpha-Männchen im Verein, welches sich Kremer nur höchst ungern unterordnen will.Es ist Hennes Weisweiler. Der in Lechenich geborene Weisweiler spielt bereits in den späten Dreißigerjahren für den Vorgänger-Klub KBC. Nach dem Zweiten Weltkrieg betreut er den VfB Lechenich, als ihn Franz Kremer nach Köln zurückholt. Als Trainer etabliert Weisweiler den 1. FC Köln mit zwei fünften Rängen in den Jahren 1950 beziehungsweise 1952 und einem vierten Platz 1951 als Spitzenteam der Oberliga West. Die Qualifikation zur deutschen Meisterschaft misslingt allerdings. Zum ersten Mal untreu wird Weisweiler dem „Effzeh" in den Jahren 1952-55. Er trainiert den Rheydter SV und wird für ein Jahr Co-Trainer von Sepp Herberger. Kremer holt Weisweiler im Jahr 1955 zurück. Dieser will auf junge Spieler aus der Region setzen und seine Art von Fußball spielen lassen. Er verzichtet trotz zahlungskräftiger Unterstützer des Vereins, insbesondere des in Köln ansässigen Kaufhof-Konzerns, und eines anhaltend hohen Zuschauerzuspruchs auf kostspielige Neuverpflichtungen und zofft sich mit etablierten Spielern, die nicht in sein Konzept passen. Insbesondere mit dem damals 34-jährigen Starspieler Tschick Čajkovski, dessen Defensivverhalten Weisweiler ein Dorn im Auge ist ("Tschik, decken! Arschloch!").

Zudem will sich der Boss, Franz Kremer, regelmäßig einmischen. Selbstherrlich und überzeugt von der eigenen Unfehlbarkeit, will er bei der Zusammenstellung und der Aufstellung der Mannschaft mitreden.Weisweiler kann sein Konzept nicht umsetzen und wechselt verärgert zunächst auf die rechte Rheinseite in Köln, zu Viktoria Köln. Als es ihm dort nicht gelingt, die Dominanz des Platzhirschen 1. FC Köln zu brechen, heuert er am 27. April 1964 beim damaligen Regionalligisten Borussia Mönchengladbach an. Der Rest ist bekannt. Am Niederrhein formt er in elf Jahren aus einem Regionalligateam eine europäische Spitzenmannschaft. Die Krönung: Die Meisterschaften 1969/70, 1970/71, 1974/75, der legendäre Pokalsieg am 23. Juni 1973 gegen den 1. FC Köln und der UEFA-Pokalsieg 1975.

Der letzte große Titel des 1. FC Köln gelingt in der Saison 1977/78. Unter Hennes Weisweiler holen die Domstädter das Double aus Meisterschaft und Pokal. Der 12:0 Sieg von Borussia Mönchengladbach gegen Borussia Dortmund hilft den Gladbachern unter Trainer Udo Lattek nichts mehr. Diese Geschichte kennt jeder FC-Fan.Was wenige wissen: Ohne eine der größten Niederlagen von Hennes Weisweiler wäre es nie zum Triumph der Kölner gegen Mönchengladbach gekommen.Denn Weisweiler zieht es nach seinen Erfolgen am Niederrhein zum FC Barcelona. Barça lockt den deutschen Startrainer mit einem Monatsgehalt von umgerechnet 40.000 DM ans Mittelmeer. Weisweiler will seinen Spielstil mit den holländischen Superstars Johan Cruyff und Johan Neeskens umsetzen. Doch von Beginn an kriselt es zwischen Don Hennes und König Johan. „Weisweiler ist nicht der Trainer meiner Wahl", verkündet der niederländische Spielmacher offen gegenüber der Presse. Als Cruyff am 8. Februar 1976 in Sevilla das zweite Gegentor verschuldet, holt ihn Weisweiler vom Platz. Cruyff ist sauer, die Fans sind es auch. Die Barca-Vereinsführung um Präsident Agostin Montal beendet den Konflikt dadurch, dass sie den Vertrag mit Cruyff verlängert und Weisweilers darauffolgende Bitte um vorzeitige Auflösung des Zweijahresvertrages akzeptiert. Weisweiler heuert im Sommer 1976 beim 1. FC Köln an und demontiert – ganz nach Weisweiler-Schema – sofort die alternde FC-Ikone Wolfgang Overath. Mit Heinz Flohe als Dirigent schafft er in der Saison 1977/78 das Double.

Franz Kremer Meisterteam 1. FC Köln 1961-62
Franz Kremer (ganz rechts) und das Meisterteam des 1. FC Köln (Saison 1963/64) beim Empfang durch den Bundeskanzler Ludwig Erhard (Zweiter von rechts). Foto: Imago Images/ Horstmüller
Alle Kapitel: 01. Prolog 02. Good to Know 03. Für die Hater 04. Für die Lover 05. Schlüsselfiguren 06. Personae Non Gratae 07. Tragisch 08. OMG — Oh My God 09. Fun Facts 10. Special Moments 11. Weise Worte 12. Steckbrief [Annex]
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