Schlüsselfiguren
Harald„Toni" Schumacher –„De Tünn": Der Torhüter ist Kölns Bundesligarekordspieler (422 Einsätze) und steht für die gesamte Klaviatur der Gefühle, die dieser Verein bietet. Pokalsieger 1977 und 1983, Double-Sieger 1978, UEFA-Pokal-Finalist 1986 – und dann das„Aus" beim FC und in der Nationalmannschaft nach der Veröffentlichung seines Buches „Anpfiff" (1987). Köln und„Toni" wollen lange Zeit nicht mehr zusammenfinden. Schumacher coacht sogar für ein halbes Jahr den Stadtrivalen Fortuna, wird dort allerdings in der Halbzeitpause von Klub-Chef Jean „Schäng" Löring gefeuert. Auch bei Bayer Leverkusen arbeitet er unter Berti Vogts und Klaus Toppmöller als Torwart-Trainer. Seit 2012 ist „Toni" wieder zu Hause – und führt den Verein als Vize-Präsident 2017 in die Europa League, bis er 2019 eher unfreiwillig ausscheidet. Wie mächtig „de Tünn" im Team ist, bekommt 1984 ein Neuzugang namens Jimmy Hartwig zu spüren. Der lebensfrohe Hesse will in der Kabine für sich werben. Schumacher stellt ihn sofort kalt: „Hey, Hartwig, hier bin ich der Chef, hier hast du nichts zu melden, klar?"
Hans Schäfer (1927 – 2017) – „De Knoll": Er ist der größte Spieler des 1. FC Köln der Vor-Bundesliga-Ära. Ein „Held von Bern" und der einzige Spieler aus der deutschen Weltmeister-Mannschaft von 1954, der noch in der Bundesliga Deutscher Meister wird. Am Ende der Saison 1963/64 nimmt Hans Schäfer als erster Kapitän in der Geschichte der deutschen Eliteliga die Meisterschale in Empfang. Der Stürmer mit dem starken linken Fuß spielt von 1948 bis 1965 nur für seinen FC, man zählt in 394 Einsätzen 254 Tore.
Wolfgang Overath – Der „Rastelli": Er ist einer der brillantesten Mittelfeld-Regisseure seiner Zeit. Sein Konkurrenzkampf mit dem Gladbacher Günter Netzer gilt als legendär. Overath entscheidet ihn bei der Heim-WM 1974 für sich und spielt im Finale gegen Holland (2:1), Netzer nicht. Als FC-Spieler ist er eine absolute Legende. 409 Bundesliga-Spiele macht Overath in 14 Profi-Jahren ab 1963 für den FC (83 Tore). Er gehört 1964 der ersten Bundesliga-Meisterelf an und wird zweimal Pokalsieger (1968, 1977). Als FC-Präsident lenkt er von 2004 bis 2011 die Geschicke des Vereins. Der in Hamburg lebende Autor Hermann Schmidt setzt ihm in seinem Buch „Der Spielmacher” (2015) ein literarisches Denkmal.

Hennes Weisweiler (1919 – 1983) – Der „Don": Kein anderer FC-Trainer ist so erfolgreich wie „Don" Hennes Weisweiler. Mit dem Pokalsieg 1977 und dem „Double" 1978 prägt „Don Hennes" die letzte wirklich erfolgreich Phase in der FC-Geschichte, in welcher der Verein deutsche und europäische Spitze ist. Die liebenswerte Werbung für Stollwerck-Schokolade gibt es inklusive. Hennes Weisweiler erliegt 1983 einem Herzinfarkt.
Lukas Podolski – „Der Prinz": Ihm hätten die Fans in Köln wohl auch einen Wechsel nach Gladbach oder Leverkusen verziehen. Kein anderer Spieler erreicht beim FC nach 1993 und dem Abschied von Pierre Littbarski ("Litti") derart hohe Popularitätswerte wie Lukas Podolski. Der Junge aus Bergheim erobert mit flotten oder unfreiwillig komischen Sprüchen ("Man hat gesehen, was die Reste-Rampe im Leisten ist, zu standen") die Herzen in der Domstadt. Auch, weil er nach dem Abstieg 2004 mit in die 2. Liga geht und im „Unterhaus" 2005 Torschützenkönig wird. 2009 kehrt „Poldi" nach mäßigen Jahren beim FC Bayern München zum FC zurück. Als er 2014 in Brasilien Weltmeister wird, fällt auch auf die Dom-Stadt etwas Glanz ab, obwohl der Weltenbummler damals Arsenal London angehört.
Pierre Littbarski – Der Dribbler: Pierre Littbarski wechselt im Sommer 1978 für 13.000 Deutsche Mark von Hertha Zehlendorf nach Köln. Er bricht seine Ausbildung zum Finanzbeamten ab und konkurriert unter Trainer Hennes Weisweiler mit Roger van Gool um den Platz als Rechtsaußen. Der sieht das Duell wenig locker und formuliert zum Einstieg gegenüber dem damals 18-jährigen Rookie: „Heute machst Du Dein letztes Spiel." Das erste Bundesligaspiel für den amtierenden Meister bestreitet Littbarski am 26. August 1978 gegen den 1. FC Kaiserslautern auf dem Betzenberg. In der Saison 1979/80 entwickelt er sich zum Stammspieler, kurze Zeit später wird er Nationalspieler. Nach der Weltmeisterschaft 1986 wechselt Littbarski nach Frankreich zu Racing Paris. Neben Littbarski werden weitere Starspieler verpflichtet, darunter Enzo Francescoli und Rabah Madjer. Für Racing Paris bestreitet Littbarski in seiner ersten Saison 32 Spiele und erzielt vier Tore. In seiner zweiten Saison bestreitet er nur noch zwei Punktspiele, bevor er im August 1987 zum 1. FC Köln zurückkehrt. Heimweh. Da der FC im Sommer 1987 alles hat nur kein Geld, stellt er dem Verein ein Darlehen zur eigenen Verpflichtung zur Verfügung. Im Mai 1993 wechselt er zu JEF United Ichihara in die neu gegründete japanische J. League. Dort hat er kein Heimweh und heiratet zum zweiten Mal. Seine erste Frau lässt im Februar 2005 die „Sammlung Littbarski" im Internet versteigern, darunter die Goldene Kamera von „Litti", diverse Fußballauszeichnungen und Pokale sowie Erinnerungsfotos, Sonnenbrillen und Bekleidungsstücke. Littbarski ist als Figur im Japanisch-Lehrbuch „Japanisch im Sauseschritt" verewigt - natürlich unter seinem Spitznamen „Litti".
Bernd Schuster – Ärger von Anfang an: Bernd Schuster wechselt im Jahr 1978 vom FC Augsburg zum 1. FC Köln. Da hat er eigentlich schon bei Borussia Mönchengladbach einen Vertrag unterschrieben. Nach 61 Bundesligaspielen und zehn Toren für Köln wechselt „der blonde Engel" im Sommer 1980 nach Spanien zum FC Barcelona. Nach acht Jahren bei den Katalanen, in denen er einmal Meister und dreimal Pokalsieger wird und auch den Europapokal der Pokalsieger gewinnt, begeht Schuster einen Tabubruch. Er wechselt zum Erzrivalen Real Madrid, zwei Jahre später geht es zum Stadtkonkurrenten Atlético Madrid. Neben dem Spanier Miquel Soler ist Schuster damit der einzige Spieler, der bei allen drei großen spanischen Vereinen gespielt hat. 1993 kehrt Schuster in die Bundesliga zurück und spielt bis 1996 für Bayer Leverkusen. Mehr Tabubruch geht nicht. Fußballspielen kann er auch: Im Jahr 1994 belegt er bei der Wahl zum Tor des Jahres in der ARD-Sportschau die ersten drei Plätze. Das Siegertor wird Tor des Jahrzehnts.
Anthony Modeste wurde zwischen 2020 und 2022 zur Kultfigur am Rhein. Sein Torjubel – die Sonnenbrille – wurde zum Markenzeichen, seine Tore zum Lebenselixier des FC. Modestes Rückkehr 2021 und seine Tore in der Aufstiegssaison machten ihn zum Helden der Südkurve. Sein Abgang zum BVB 2022 wurde mit gemischten Gefühlen aufgenommen.